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LAN-Team e.V. :: Zum Nachdenken

Zum Nachdenken
Friday, 14.03.2008 03:00
Thorsten "Balu" von Eicken

Gefangen im Netz ODER In der virtuellen Welt bin ich ein Gott!



Hallo liebe Gemeinde,

heute gibt es mal keine News im herkömmlichen Sinne, sondern etwas zum Lesen. Ja, ihr lest richtig... etwas für die Augen. Dabei geht es jetzt nicht um Bildung oder Kultur oder irgendetwas Brandneues, sondern um etwas, was mir aufgefallen ist und das ich für so eindrucksvoll erachte, dass ich euch einfach animieren möchte, ebenfalls Notiz davon zu nehmen.

Auf ProjectLAN, einer Seite, wo ich recht aktiv bin, hat mein Redaktionskollege aD einen Blog verfasst, der mich sehr beeindruckt und nachdenklich gestimmt hat.
Ihr werdet schnell feststellen, worum es geht, deswegen sage aber bitte niemand, "typisch Balu, der kann das Spiel ja eh nicht leiden", denn aus diesem Grunde möchte ich den Artikel nicht hier einstellen, sondern die Geschichte, die dahintersteckt, das Schicksal des Menschen, um den es sich dreht, hat mich beim Lesen einfach nur sehr betroffen gemacht.
Ich möchte mich auch über niemanden lustig machen, mich als Oberlehrer aufspielen, mit dem Finger zeigen oder oder oder... ebenso fände ich es sehr schade, wenn dieser Thread zur allgemeinen Belustigung dienen sollte - genau das will ich eben nicht bewirken.

Warum nun ausgerechnet ihr? Ok, ich hätte es auch für 50 Cent pro halber Stunde der Parkuhr um die Ecke erzählen können - aber mal im Ernst, IHR seid es, mit denen ich auf unseren Lans die gemeinsame Zeit verbringe, sei es auf dem virtuellen Schlachtfeld, an der Theke, in der Küche oder am Grill. Und daher seid IHR mir auch wichtig, nicht weil ihr euer Geld auf unsere Lans tragt und sie so erst möglich macht, sondern weil ich euch einfach so schätze, wie ihr seid, mit euren Macken und Pannen und überhaupt.

Ich möchte euch einfach anregen, euch vielleicht selbst mal Gedanken zu machen, wie ernst wir unser Hobby - den Computer und alles was damit zu tun hat - nehmen.

So, genug der langen Vorrede, lest selbst...

Zitat:

Gefangen im Netz ODER In der virtuellen Welt bin ich ein Gott!
geschrieben am 13.März 2008 - 22:18 Uhr von aD

Auch wenn dieser Titel "Gefangen im Netz" schon öfters in der deutschen Medienlandschaft als Aufhänger für Texte über alle erdenklichen Formen von Onlinesucht ge- und auch missbraucht wurde, möchte ich dennoch auch auf diese drei, meines Erachtens sehr passenden Worte als Rattenfänger für diesen Blogeintrag zurückgreifen. Es dürfte also klar sein, worum es im Folgenden gehen wird.
Und so ehrlich, wie ich mich eben um weitere, einleitende Worte gedrückt habe, äußern sich - eingeschlagen in den kuscheligen Mantel der Anonymität des Internets - auch Betroffene und deren Angehörige über Probleme mit dem Umgang der virtuellen Freizügigkeit.

<< Hinter jeder Sucht ist eine Sehnsucht >>

Ich möchte mich aber an dieser Stelle gerne auf eine Form, eigentlich auf nur ein Spiel beschränken. Wer schon einmal mit der Materie in Berührung gekommen ist, der ahnt bereits jetzt, auf welchen populären Titel der Autor zielt.
Das weltweit erfolgreichste MMORPG "World of Warcraft" zieht Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und Altersklassen in seinen Bann und gibt einige nicht mehr so einfach wieder her.
Oder anders herum? Eventuell kann man diesen Punkt erst beantworten, wenn man
sich den Fragen der American Psychiatric Association gestellt hat:

  • 1. Ich denke an das "Spiel", auch wenn ich offline bin.
  • 2. Ich brauche immer mehr Zeit im "Spiel", um zufrieden zu sein.
  • 3. Ich bin unfähig, meine "Spielzeit" zu kontrollieren.
  • 4. Ich werde unruhig und reizbar, wenn ich versuche, meinen "Spielkonsum" einzuschränken oder darauf zu verzichten.
  • 5. Das "Spiel" ist für mich ein Weg, um vor Problemen zu fliehen oder schlechtes Befinden (Hilflosigkeits- oder Schuldgefühle, Angst,
    Depression) zu bessern.
  • 6. Ich lüge meiner Familie oder Freunden gegenüber, um das Ausmaß meiner Beschäftigung mit dem "Spiel" zu verbergen.
  • 7. Ich habe schon Arbeit, Ausbildungs- oder Karrieremöglichkeiten oder Beziehungen wegen des "Spiel" in Gefahr gebracht.
  • 8. Ich spiele weiter, auch wenn ich exzessive Beträge für Gebühren zahlen muss.
  • 9. Ich bekomme im Offline-Zustand Entzugserscheinungen.
  • 10. Ich bleibe immer länger online, als ich mir vorgenommen habe.


Werden vier von diesen zehn Fragen mit "ja" beantwortet, so kann bereits eine Sucht-Problematik vorhanden sein.
Selbst wenn "Philipp" aus Köln während seiner Jagd nach dem "endgamecontent" diesen Test gemacht hätte und "durchgefallen" wäre. Ein Umdenken, so scheint es zumindest, wäre nur schwer vorstellbar gewesen:

In der virtuellen Welt bin ich ein Gott, aber wer bin ich wirklich?

Hallo Freunde,
Ich bin Philipp, ich bin 27 Jahre alt...Falls ihr euch fragt warum ich euch Freunde nenne, dann liegt die Antwort klar auf der Hand: "Ich habe ansonsten keine Freunde".

Erst kurz ein paar Details aus meinem verkorksten kleinen Leben. Ich hab nach einer mittelprächtigen Kindheit mit ein zwei traumatischen Erlebnissen mit schlechtem Abitur das Gymnasium abgeschlossen und mich dann während meiner Wehrdienstzeit zum Zeitsoldat für die Offizierlaufbahn beworben. Während meiner Ausbildungszeit bin ich an der Universität der Bundeswehr in Hamburg Student gewesen und hab den Studiengang Pädagigik nach desintressierten 2 Jahren abgebrochen. Mein Traum des Zugführers der Infantrie waren somit zunichte. Nach Absitzen der Restdienstzeit habe ich mich bei meinen Eltern eingenistet und hab mir das Spiel WoW gekauft. Ob das Unheil hier begann kann ich nicht beurteilen, schließlich war ich schon immer ein Mensch der sehr viel Computer gespielt hat...
[ich] war einst ein junger begeisterungsfähiger spieler.

Ich spielte mich warm, lernte das Spiel kennen, fing einen anderen Charakter an der mir mehr zusagte, und hatte schließlich meinen ersten lvl60 Charkater. Auf dem weg zu lvl60 wurde ich von einer Gilde aufgenommen mit vielen heißblütigen "Powerlevlern" und sehr bald waren wir auf dem Server die ersten 60er zu denen alle empor blickten. Teamspeak musste her, damit man sich unterhalten konnte für die einzelnen Taktiken der Instanzen, und das war schnell besorgt. Meine Onlinezeiten waren sehr bald schon 18+ Stunden pro Tag. In Phasen wo ich einen weiteren Charakter hochzog schlief ich auch mal 2 oder 3 Tage garnicht. Man wollte auf neuen Servern der erste 60er sein. Bald jedoch ergab sich für mich eine neue Berufung. Aus dem englischen ist der Begriff "endgamecontent" gefallen. Und genau da bewegte sich die Gilde hin. Die große Instanz... Moltencore - eine Instanz die man nur mit 40 Mann begehen sollte, in der nur epische Gegenstände droppen. Das schwerste was es im Spiel gibt, wir haben es gesehen, wir haben es bezwungen, und wir waren die ersten auf dem Server, wir waren die Sieger, mit den tollsten Rüstungen, stärksten Waffen und wie sollte es auch anders sein, den höchsten Reparaturkosten. Also musste gefarmt werden. Gold muss her, damit man die Pionierarbeit im Kern finanzieren kann, Tränke müssen her, damit man die Pionierarbeit im Kern überleben kann... Das hat viel Zeit gekostet, viel verschenkte Zeit die uns allen egal war, wir hatten Blizzards stärkste Instanz bezwungen und jeder wusste es.

Warum wusste es jeder? Eines meiner anderen Hobbies war immer schon Filme gucken, und damit verbunden auch das erstellen von Clips. Noch aus Counterstrike-zeiten hatte ich einige Übung im Umgang mit Videobearbeitungsprogrammen. So dauerte es nicht lange, und die ersten Movies waren erstellt. Auf einer bekannten Amerikanischen Seite veröffentlichte ich sie.Frei zugänglich für alle Warcraftspieler der Welt. Ob es an meinem Talent für das erstellen solcher Movies oder aber an dargestellten Taktiken über den endgame-Content in dieser Instanz lag weiß ich nicht, jedoch schlugen die Videos ein wie eine Bombe. Downloadzahlen von über 2.000 pro Tag waren nur der Anfang. Um es mit den Worten eines skandinavischen Spielers zu sagen "you are a fucxxng genius"

...Aufgrund der Erfolge und der durch die Videos verbreitete Bekanntschaft war auf einmal unsere Gilde in alle Munde. Es waren nicht nur die schwächeren Spieler auf dem Server die uns anflüsterten, es kamen von anderen Servern immer neue Spieler rüber und belagerten uns in der Hauptstadt. Taktik hier, Gratulation da, Hilfe hier, Gildenbewerbungen da, Anfragen über die Songs aus den Videos steigerten sich ins unendliche, ... Wir waren berühmt. Preis des Ruhms sollte auf der Hand liegen. Viel Zeit. Durch die Berühmtheit ergab sich auf dem server einer Überbevölkerung, leute wollten unsere Items sehen, etc... Schon bald musste man sich zu gewählten Raidterminen schon 2 Stunden vorher einloggen, da die warteschlange auf dem Server voll mit tausend Gaffern und Gratulanten war. Zeit in der man nicht farmen und nicht spielen konnte. Oder sollte ich nicht "arbeiten" sagen? Blizzard schläft nicht. ein neues update, eine neue Instanz "Blackwinglair" Ein 40er Instanz, um einiges schwerer als die vorherige, mit neuen epischen Gegenständen, die viel besser als die alten waren. Neue Raidtermine mussten her. Warum nicht die gleichen? Nun, von dem neuen Set gab es ein Teil in der alten 40er Instanz, und fast alle anderen Teile in der neuen. Blizzard war klug. Die Spieler waren gezwungen die alte Instanz woche für woche zu bezwingen und in die neue in Angriff zu nehmen. Folge davon? mehr farmen, mehr raiden, mehr reparatur kosten...

Reallife Begleiterscheinung? Mehr Videos, mehr Ruhm, mehr Fans. Wir hatten uns schnell auf diese neue Instanz eingestellt. neue taktiken waren notwendig, und kaum zu glauben aber wahr, die taktiken wurden erarbeitet, nicht erspielt. Einige Spieler aus unseren Reihen sind/waren Studenten. Scheinbar unschaffbare Bosse mussten irgendwie programmiert sein, sie mussten irgendwie bezwingbar sein. Pionierarbeit musste her, Statistik musste her, Programmierung musste her. Und siehe da, ein paar kleine statistische Erhebungen, ein paar kleine programmierte Addons, und schon fielen auf den ersten Blick unschaffbare Gegner. Blizzard war geschlagen, die neue Instanz war bezwungen, und wer war Zeuge? Die gesammte Spielergemeinschaft. Die Downloadzahlen der Videos wurden noch größer. Die neuesten Videos der neuesten Bosse wurden in den ersten Tagen über 6000 mal runter geladen.

Blizzards Reaktion? Eine neue Instanz muss her, diesmal jedoch eine, die man erst öffnen muss. Schlauer Zug, eine gigantische Weltquest, die auf dem Server beide Fraktionen gemeinsam lösen muss, wo man hundertausende von materialien Sammeln muss um diese Instanz zu öffnen. Was bringt das mit sich? Wochenlanges farmen natürlich, und weniger Zeit für die alten Instanzen und somit auch weniger neue Ausrüstung.

Wie für manche ersichtlich ist, ist das ganze eine nicht endender Sog. Unfassbar was sein wird, wenn das addon dieses Jahr noch rauskommt. Tut mir leid das ich euch mit dem Spiel jetzt schon so lange in Bann gezogen habe. Ich mag im WoW-Universum ein Gott sein, jedoch lebe ich nicht in der Matrix. Wer bin ich?

Ich bin Philipp, 27 Jahre, Ich habe meine Ausbildung abgebrochen, ich bin zuhause rausgeflogen, ich wohne in einer kleinen einzimmerwohnung in köln, ich habe in meiner Spielsucht mein gesamtes Gespartes aus Bundeswehrzeit auf den Kopf gehauen, ich habe 0 Freunde, Ich hab letzten Monat meine Rechnungen nicht gezahlt, ich bin seit einem halben jahr nicht mehr krankenversichert, mein personalausweis ist seit einem jahr abgelaufen, ich bin beim einwohnermeldeamt nicht angemeldet, ich hab noch 5€ in der Tasche, das Konto ist leer, in wenigen Tagen habe ich auch kein Internet/Telefon mehr. Ich hab kein Leben und ich hab Angst.


- Quelle: onlinesucht.de


Weiterführende Informationen, Unterstützungsangebote und mehr noch findet ihr unter anderem auf der Seite des HSO 2007 e.V.


Heftig, nicht wahr? Aber ich denke, daß es nicht nur bei WoW so ist. Ich habe für mich persönlich bei den zehn Aussagen der American Psychiatric Association anstatt "Spiel" einfach mal "Internet" bzw. "Computer" verwendet und erschreckenderweise festgestellt, dass ich weitaus mehr als vier der Aussagen zustimmen muss.
Ich will hier keine (sinnlose) Diskussion über den Wert oder die Gefahr von WoW lostreten, mein Anliegen geht einfach nur dahin, macht euch über euren eigenen Umgang mit dem Computer oder einem bestimmten Spiel einfach mal eure Gedanken.

Danke für eure Aufmerksamkeit,
es grüsst ein sehr nachdenklicher Balu

3 Kommentare
Kommentare >> Kommentare zu den Beiträgen > Zum Nachdenken
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 Autor Thema: Zum Nachdenken
rooster-sau
14.03.2008 um 18:42 QuoteProfileSend PM

Clan: F.O.G
Postings: 73

also da will ich dich mal beruhigen. "internet" oder "computer" als begriff einzusetzten halte ich für völlig falsch.

als beispiel...ich lese jeden tag diverse treats über computerhardware, politik,sport und sogar kultur...im monat zogge ich bestimmt 4 std BF2...wenns hochkommt....und wenn ich keinen bock hab mach ich die kiste nicht an.
damit meine ich einfach das das beschäftigungsfeld compi und net so breit gestreut ist das man wirklich nicht von einer extremen fixierung auf ein Game wie WOW sprechen kann.

WOW und andere rollenspiele sind deshalb suchtgefährdend weil sie, für bestimmte personengruppen, als zunehmender realitätsersatz dienen. erfolgerlebnisse, egal ob in beziehungen oder beruf werden substituiert durch den erfolg und die anerkennung der spielgemeinde.

flucht vor dem real life führt dann zu diesen problemen die dieser arme kerl nun hilflos gegenübersteht.
er ist ganz klar suchtkrank und benötigt ohne zweifel professionelle hilfe.

und du balu brauchst höchstens hilfe wenn wir dir in warstein zeigen wo der hammer hängt ;-)))
 
NOBODY
17.03.2008 um 20:48 QuoteProfileSend PM

Clan: =RhRA=
Postings: 119

hmm also da ich ja meist nur strategische und taktische games mache, denke ständig dran, was könnte man anders oder besser machen, um den gegner zu überrennen. naja bissle bf2 und jetzt seit kurzem bin ich mit frontlines fuel of war und mit assasint creed etwas beschäftigt. aber auch nicht dauerhaft meist vergess ich ds nach 2h wieder... naja ich werd langsam alt ....
__________________

 
TigerofTHT
26.03.2008 um 10:51 QuoteProfileSend PM


Clan: LAN-Team e.V.
Postings: 29

Hallo Leute,

ich geb es ja zu ich bin "Online- und Spielesüchtig"!!! Ich denke in meiner Freizeit nur ans Internet und Computer... Und Freunde habe ich auch keine mehr, was soll's ich lebe online... Und ich liebe es ;-)

Gruss das Tigerchen
 
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